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Social Scoring: Wie Facebook & Co. die Kreditvergabe beeinflussen kann

Sozial vernetzt

Was sagt Ihr Facebookprofil über Ihre Kreditwürdigkeit aus? Wahrscheinlich mehr als Sie denken. Die Idee ist nicht neu: Statt der Schufa-Auskunft könnten auch Daten aus sozialen Netzwerken für die Bonitätsprüfung herangezogen werden. Schließlich gibt es kaum noch Menschen ohne Profil in den sozialen Medien.
Doch wie funktioniert dieses sogenannte „Social Scoring“ und kommt es in Deutschland schon zur Anwendung?

Twitter, Facebook und Co. spielen bereits eine Rolle

In Hamburg sitzt ein Unternehmen mit dem Namen Kreditech. Es ist spezialisiert auf die Analyse von Nutzerdaten in sozialen Netzwerken. Mithilfe dieser Daten kann es die Kreditwürdigkeit von Bankkunden relativ genau einschätzen. In Polen passiert dies bereits: Wer über die Seite Kredito24.pl einen Kredit beantragt, der nutzt das System des Hamburger Unternehmens Kreditech. Auch in Spanien, Tschechien oder Russland ist Kreditech aktiv.

In Deutschland hingegen funktioniert dies noch nicht, da die Bonitätsprüfung hierzulande von der Schufa nahezu lückenlos gesichert ist. Es sei einfach kein Platz für ein neues System, sagt das Hamburger Unternehmen in der Vergangenheit.

Auch die Schufa arbeitete an „Social Scoring“

Tatsächlich plante auch die Schufa selbst mit Daten aus sozialen Netzwerken. 2013 vergab sie hierfür einen Auftrag an das Hasso-Plattner-Institut. Es sollte herausfinden, wie sich Daten aus Facebook, Twitter und Co. für die Bewertung der Bonität nutzen lassen. Das Projekt wurde jedoch vor Beendigung abgebrochen, da es Proteste von Datenschützern gab und die Schufa um ihren Ruf fürchtete.

Vorerst werden Ihre Daten in sozialen Medien also nicht für die Bewertung Ihrer Bonität herangezogen. Es ist jedoch denkbar, dass das Thema in Zukunft wieder aufgegriffen werden könnte.

Was die Zukunft bringt

Trotzdem ist die Bewertung von Nutzerdaten in sozialen Netzwerken nach wie vor eine interessante Option für Banken. Welche Daten spielen dabei eine Rolle?

  1. Ihre Freundesliste: Bereits über die Anzahl Ihrer Freunde und die Konstanz Ihrer Freundesliste lassen sich Rückschlüsse auf Ihre Bonität ziehen. So wertet Kreditech Kunden mit einer relativ konstanten Anzahl an Kontakten in Facebook als kreditwürdiger, da sie zuverlässiger seien. Auch ist es vorstellbar, dass weniger solvente Freunde einen negativen Einfluss haben könnten.
  2. Ihre Inhalte: Selbstverständlich fließen auch Ihre Postings in die Wertung ein. Wer regelmäßig von Saufgelagen berichtet, wird von der Bank wahrscheinlich als unzuverlässig gewertet. Selbst Rechtschreibung und Grammatik werden in der Wertung berücksichtigt.
  3. Bewegungsdaten: Über Ihr Mobiltelefon verraten Sie unter anderem, zu welchen Zeiten Sie sich an Ihrem Wohnort aufhalten. Sind Sie eher in sozialschwachen Gebieten unterwegs oder regelmäßig in hochpreisigen Einkaufsstraßen?
  4. Wiedersprüche: Wer bei der Beantragung eines Kredits beispielsweise angibt, dass er als Banker arbeitet, sich aber gleichzeitig mit seinem Smartphone täglich von 9 bis 18 Uhr in einer Karstadt-Filiale aufhält, macht sich unglaubwürdig.

Fazit: Achten Sie auf Ihre Daten

Nutzerdaten verraten viel über die mögliche Kreditwürdigkeit. Personalabteilungen prüfen die Social-Media Profile ihrer Bewerber bereits regelmäßig. Es ist daher nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Banken und Bonitätsprüfer diese Daten in ihren Bewertungen einfließen lassen. Verbraucherschützen raten seit langer Zeit auf einen behutsamen Umgang mit den eigenen Daten. Überlegen Sie daher zweimal, welche Informationen Sie öffentlichen Preisgeben.

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